Bremen, im Januar 2005
Gedanken zur Flutkatastrophe in Asien
Es haben sich einige unserer Förderer und Spender gemeldet und Spenden und Mitarbeit angeboten, um den Opfern der Flutkatastrophe am 26.12.2004 an der indischen Ostküste etc. zu helfen.
Auch wir haben natürlich mit Entsetzen die Berichte über das Unglück verfolgt und beratschlagt, wie man dort effektiv und sofort helfen kann.
Wir haben uns in der Vergangenheit auf die Sozialarbeit (Impfung von Kindern in Slumgebieten in Indien) in einigen wenigen Gebieten an der indischen Westküste (Bombay, Thane, Goa/Vasco da Gama) sowie im Binnenland in Gujarat beschränkt. Diese Gebiete sind mehrere tausend Kilometer von den durch die Flutkatastrophe betroffenen Gebieten an der Ostküste Indiens und Sri Lanka entfernt – die örtlichen Gegebenheiten (Hütten am Strand) sind natuerlich die gleichen – eine Flutwelle hätte hier genauso verheerende Folgen gehabt wie an der Ostküste.
Im Augenblick werden durch die bewundernswerte Hilfsbereitschaft vieler Menschen in Europa und Übersee erhebliche Mittel bereitgestellt – die in den Katastrophengebieten sicher auch dringend benötigt werden.
Leider mag leicht in Vergessenheit geraten, dass es auch in anderen Gebieten Not gibt – in Gebieten, die zwar nicht von der Flut betroffen sind – wo Menschen jedoch weiterhin in Hütten oder unter Planen leben.
Wir haben nach reiflichem Abwägen uns dazu entschlossen, uns mit unseren eher beschränkten Mitteln NICHT in die Vielzahl der Hilfsorganisationen einzureihen, die im Augenblick mit viel Material und Helfern in den Unglücksgebieten helfen.
Wir haben in den obengenannten Gebieten im November/Dezember rund 28.500 Kinder impfen lassen – von welchen etwa 20.000 Kinder eine Zweit- und Drittimpfung (gegen Hepatitis B) benötigen.
Würden wir anstelle der Fortsetzung unserer Arbeit an der Westküste Indiens nun wegen der aktuellen Ereignisse in den Flutgebieten an der Ostküste tätig werden, so könnten wir die Arbeit an der Westküste nicht gleichzeitig fortführen und es wären die bereits im November/Dezember erfolgten 20.000 Impfungen (ohne die notwendige Zweit- und Drittimpfung im Februar und Herbst 2005) nutzlos gewesen.
Aus diesem Grunde ist unser Mitglied Dr. Hans Hütte gestern ( am 4.1.2005) wie auch schon seit langem geplant nach Bombay geflogen, um dort unsere Arbeit fortzusetzen, und ist NICHT in die Gebiete der Flutkatastrophe aufgebrochen, um dort zu helfen.
Diese Entscheidung bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir die von anderen Organisationen dort zur Zeit geleistete Arbeit für unnötig oder wirkungslos halten.
Es ist jedoch zu befürchten, dass – wie bei anderen Katastrophen – im Augenblick aufgrund der oft noch unzureichenden Kommunikations- und Transportmittel in den Katastrophengebieten bei der Vielzahl der mit sehr großem Aufwand arbeitenden internationalen Hilfsorganisationen nur mit einer verminderten Effektivität gearbeitet werden kann – es ist bereits früher vorgekommen, dass eine große Anzahl ursprünglich motivierter Helfer durch eine fehlende Infrastruktur oder unglückliche Organisation etc. behindert frustiert wieder nach Hause gekommen ist weil nur uneffektiv oder gar nicht geholfen werden konnte – und ein Teil wohlgemeinter Spenden wirkungslos verpuffte (geschehen z.B. in Afrika).
In diesem Zusammenhang hier einen Auszug aus der aktuellen
Spiegel-internet-Seite (5.1.2005):
KATASTROPHEN-HILFE
Wettlauf
der Geberländer
Deutschland lag nur
wenige Stunden in Führung. Kaum hatte das Bundeskabinett eine
Hilfe von 500 Millionen Euro für die Katastrophengebiete
beschlossen, kündigte Großbritanniens Premier Blair einen
Finanzbeitrag von mehreren hundert Millionen Pfund an. Wenig später
erhöhte Australien auf 580 Millionen Euro.
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Krisenmanagement: Regierung stockt Hilfe aus 500 Millionen Euro auf |
|||
Ende des Auszuges.
Dies sind Größenordnungen, neben denen unser Verein sehr klein aussieht. Hoffentlich werden diese gewaltigen Beträge tatsächlich auch dort landen, wo die Hilfe gebraucht wird.
Selbstverständlich ist im Augenblick eine Soforthilfe – auch mit Wasser – in den Katastrophengebieten erforderlich. Eine langfristig wirksame Hilfe muss jedoch sorgsam geplant und über einen sehr langen Zeitraum betreut (und beaufsichtigt) werden – sonst bringt sie gar nichts. Hoffentlich geschieht dies auch.
Nach einer gewissen Zeit, wenn die schrecklichen Berichte nicht mehr die Nachrichtensendungen und Zeitungen hier füllen – mag das Interesse zu helfen erlahmen – oder die Mittel mögen verbraucht sein, ohne dass dauerhaft geholfen werden konnte.
Wir werden daher unbeirrt unsere Arbeit an der Westküste fortsetzen – auch wenn dies nicht die Titelblätter der Zeitschriften füllen wird.
Wir sind davon überzeugt, dass die uns anvertrauten Gelder tatsächlich dort ankommen, wofür sie gespendet worden sind – es ist immer ein Vereinsmitglied dabei und dass bei den Leuten, mit denen wir in Indien zusammenarbeiten, nicht nur das Geschäft im Vordergrund steht. Wenn – wie im Augenblick in den Unglücksgebieten – Millionenbeträgen ausgegeben werden, dann mag dies durch die erhöhte Nachfrage nach Hilfsgütern auch Geschäftemacher auf den Plan rufen...
Wir hoffen, weiterhin mit einem Aufwand von weniger als einem Euro pro Kind etwas zu bewirken. Neue Unterkünfte oder Strassen etc. bauen – und Hilfsgüter im großen Stil gerecht an wirklich Hilfsbedürftige zu verteilen – dies können wir als kleiner Verein mit beschränkten Mitteln leider nicht.
Vielleicht denken Sie einmal darüber nach, und erinnern sich trotz der im Augenblick laufenden Benefiz-Veranstaltungen zu Gunsten der Flutopfer an unsere Arbeit in Indien – und fördern diese wie bisher.
Hans-Joachim Regge, Bremen
Gedanken zu einer Hilfe durch Einladen von in Not geratenen Kindern z.B. aus Indien nach Deutschland für eine gewisse Zeit:
Eine Dame hatte um Unterstützung gebeten, welche ein in Not geratenes Kind aus Asien für einige Zeit hier aufnehmen will.
Unsere Antwort an diese hier:
hallo
Frau xxx,
leider muss ich Ihnen mitteilen, dass wir als recht
kleine Organisation keine Möglichkeit haben, Pflegeeltern oder auch Patenschaften etc.
etc. zu vermitteln.
Ich finde es ganz prima, wenn man helfen will - bin mir allerdings
nicht sicher, ob das Hierherholen – auch zu einer ärztlichen
Behandlung - und das dann später notwendige Zurücksenden
in die Heimat – fuer ein Kind das Richtige wäre - ich
glaube nicht.
Bedenken Sie bitte, dass wir - im Vergleich zu
Indien etc. - in einem sehr grossen Luxus leben - für uns
sind sehr viele Dinge einfach normal (Wohnen vergleichsweise in einem
festen Haus, Wasser 24 Stunden, Strom immer da, Telefon, eigenes
Zimmer für jedes Kind, Auto, im Vergleich riesige Wohnflächen
pro Person etc. etc. diverse Elektrogeräte im Haushalt,
Waschmaschine für Wäsche und vielleicht auch noch eine
Geschirrspülmaschine und ein geregeltes Einkommen, eine Kranken-
und Sozialversicherung... kein Tag ohne Essen...
Nach einer
Zeit, die ein Kind hier bei lieben Pflegeeltern verbracht hat,
das Kind wieder in den Dreck und die Armut zurückzusenden,
wäre ein Verbrechen und würde das Kind ein Leben lang
belasten - dort sind das, was wir als Armut und Schmutz sehen (sicher
haben auch Sie ein Bad und eine saubere Toilette... zumindest in
Indien ist dies nicht immer die Norm...), oft ganz normal, Müllberge
gehören zum Alltag und Hygiene wie wir sie verstehen gibt es
nicht...
Unabhaengig von den Gedankengängen oben haben
wir als kleiner Verein auch einfach nicht den erforderlichen Apparat,
um sicherzustellen, dass ein Kind hier nicht als niedliches
Spielzeug, was man dann aber - wenn es nicht mehr genehm ist weil es
vielleicht ins Bett macht - wie ein Haustier entsorgen könnte -
behandelt wird.
Hoffentlich verstehen Sie, daß diese
Gedanken über einen langen Zeitraum nach etwa 25 Besuchen in
Indien in den übelsten Gebieten - wo aber auch viele
glückliche Menschen und fröhliche Kinder leben -
entstanden sind - und nehmen diese nicht persönlich übel
- so ist es nicht gemeint.
Zusammengefasst: Ich halte eine
Hilfe an Ort und Stelle (die nicht ein einziges Kind oder eine
Familie aus der ansonsten homogenen dortigen Gemeinschaft
heraushievt) für die einzige wirksame Hilfe, welche nicht mit
großer Wahrscheinlichkeit Schaden anrichtet. Überlegen
Sie bitte, ob sie ein Kind wirklich für einige Zeit
hierherholen sollten - ich rate davon ab.
Wir backen als
kleiner Verein - wie Sie sicher gelesen haben - sehr kleine Brötchen
(dafür aber sehr viele !) - mit den Impfungen - bisher nun
90.000 Kinder. Diese Sache laeuft aber nicht aus dem Ruder und wir
haben sie im Griff - und wir können dies in unserer Freizeit /
im Urlaub in Indien ohne Bezahlung handhaben.
Auch
Adoptionen etc. können wir nicht vermitteln – aus den
gleichen Gründen. An Familien, welche darüber nachdenken,
ein Kind aus den Katastrophengebieten zu adoptieren: Bitte seien Sie
sehr vorsichtig – dort, wo Geld bezahlt wird (es werden
mitunter horrende Summen für Spesen etc. etc. verlangt) –
ist – nicht nur in Indien – ALLES möglich, auch
Kinderrraub und -Handel. Die Vermittlung von Adoptionen durch unseren
Verein könnten wir aus den genannten Gründen nicht seriös und mit gutem Gewissen handhaben -
bitte wenden Sie sich ggf. an einen größeren und leistungsfähigeren Verein - der über den erforderlichen
leistungsfähigen Apparat an Ort und Stelle verfügt - und KEINE Geschäfte mit der Vermittlung von Kindern macht.
mit freundlichen Grüßen
Hans-J. Regge
Tel. 0421 - 71111
Am Dienstag, 4. Januar 2005 23:29 schrieb ***
:
> Hallo,
>
> mein Name ist *** . Natürlich bin auch
auch sehr betroffen über die
> Katastrophe in Asien. Und
gerade zu diesem Thema habe ich eine Frage an
> Sie! Gibt es
eine Organisation in Deutschland, die z.B. für Kinder, die
>
kurzzeitig oder auch langfristig in Deutschland zur Behandlung
sind,
> Pflegeeltern sucht? Ich bin Mutter und ausgebildete
Erzieherin und da ich
> momentan Hausfrau bin hätte ich
genügend Zeit mich um ein Kind zu kümmern.
> Es wäre
die einzige Möglichkeit wie ich diesen Kindern helfen könnte.
Ich
> wäre dankbar für Ihr Hilfe!
>
> MfG
***
>